Im GEO 08/2011 wird über Herbert Benson berichtet. Er ist Stressforscher aus den USA, heute über 75 Jahre alt und er forscht seit den Siebzigern darüber, wie mentale Entspannung zur Ausschüttung von Botenstoffen führen und der Aktivierung neuronaler Bahnen dienen kann. Ebenso, wie Stress – also aufgestaute Wut oder Angst zur Steigerung der sympahtischen Aktivität führen kann (Anm.: Der Sympathikus ist der Anteil des vegetativen Nervensystems, der all das steuert, was der Mensch in der „Fluchtsituation“ braucht, also Herzrasen, Schweißausbruch, verringerte Darmtätigkeit und die Ausschüttung jeder Menge Hormone.), so kann man auch durch bewußtes „Wegeschieben“ von stressigen Gedanken eine, wie Benson es nennt, Entspannungsreaktion, hervorrufen. Dabei kommt es wahrscheinlich zu einer ähnlichen Aktivität im Nervensystem, nur gegensätzlich wie beim Stress.
Sein Credo ist: Atmen Sie die alles andere weg. Konzentrierenm Sie sich auf den Atem und jedes Mal, wenn andere Gedanken stören wollen, schieben Sie die einfach weg. Konzentrieren Sie sich immer wieder auf die eigene Atmung.
Viele sogenannte evidenzbasierte Studien (suchen Sie danach – der vorherige Artikel hilft dabei) zeigen vielfach, dass solche Anti-Stress-Programme wirken können, indem sie Schmerzen lindern, bei Allergien oder Darmkrankheiten beruhigend wirken und zum Abbau von Angst verhelfen.
Joseph Pilates hat bereits vor ungefähr 90 Jahren seine Atemtechnik propagiert. Bei ihm sollte sie zum sogenannten Powerhouse verhelfen, dem starken Zentrum. Aus einer starken Mitte heraus sollte der Mensch zu neuer Kraft und Gesundheit kommen.
Seine Atemtechnik läßt sich wunderbar einsetzen, um in Bensons Sinn zur Aktivierung der stressabbauenden Faktoren zu gelangen.
Und so zeigen wir (www.physioprofi.de) sie unseren Patienten:
Entspannte Position einnehmen, am besten Rückenlage auf Matte oder Boden (Decke drunter). Die Beine angestellt.
Ein Bild der Lendenwirbelsäule vor das geistige Auge projezieren; unter ihr ist Platz für ein kleines Luftkissen. Die Schultern liegen sanft auf der Unterlage, der Kopf ist nicht überstreckt.
Tief einatmen; dabei wird der Brustkorb weit, die Rippen heben sich vorne und der Atem fließt durch die Nase bis in den hinteren unteren Brustkorb, der sich aufbläht wie ein Segel im Wind.
Durch den offenen Mund fließt die Atemluft wieder heraus. Wir unterstützen das, indem wir den Brustkorb in der Form eines Trichters zum Becken hin zusammenziehen. Dabei helfen uns die querverlaufenden Bauchmuskeln, die die Taille ganz eng machen. Unsere Lendenwirbelsäule verändert dabei nicht ihre Form!!
Das Ganze dann etwa 10 mal wiederholen. Falls es vorher schwindelig wird, bitte aufhören –> Gefahr der Hyperventilation. Halten Sie dann die Hände vor den Mund und atmen Sie die ausgeatmete Luft ein paar Mal wieder ein.
Konzentrieren Sie sich auf jede Einzelheit und spüren Sie, wie der Atem in und aus Ihrem Körper fließt. Lassen Sie keine anderen als die Gedanken an Ihren Atem zu. Versuchen Sie sich so etwa 10 Minuten jeden Tag mit Ihrem Atem zu beschäftigen. Schreiben Sie mir, was Ihnen aufgefallen ist!
Hartmut Schöffner